Materialtransport mit AMRs in der SMT-Fertigung
Autonome mobile Roboter (AMR) können Materialtransporte in der Elektronikfertigung übernehmen und Mitarbeiter von wiederkehrenden Laufwegen entlasten. Aber ein AMR allein macht noch keinen automatisierten Materialfluss.
Entscheidend ist, was vor und nach dem eigentlichen Transport passiert. Wir haben Josef Höving, Sales Manager Fertigungsautomatisierung bei der cts Group, fünf Fragen zum Einsatz von AMRs in der SMT-Fertigung gestellt.
Josef, was ist der praktische Unterschied zwischen einem AMR und einem AGV?
Der wichtigste Unterschied liegt in der Navigation.
Ein AGV folgt festen Routen, zum Beispiel über Markierungen, Magnetbänder oder definierte Fahrwege.
Ein AMR navigiert dagegen selbstständig. Er erkennt Hindernisse und kann seine Route entsprechend anpassen. Für die Elektronikfertigung ist das relevant, weil Materialflüsse in der Praxis selten komplett statisch sind. Rüstwechsel, unterschiedliche Linienbedarfe oder kurzfristige Nachschubanforderungen verändern die Transportwege laufend. Genau dort spielt ein AMR seine Flexibilität aus.
Wie sieht ein typischer Materialtransport mit einem AMR konkret aus?
Der Prozess beginnt eigentlich schon vor der Fahrt.
Die Materialsteuerung erkennt zum Beispiel, dass für einen Auftrag oder an einer Linie Material benötigt wird. Daraus entsteht ein Transportauftrag. Das Material wird im Lager kommissioniert und an einem definierten Abholpunkt bereitgestellt.
Dort übernimmt der AMR und bringt das Material zur Vorrüstung oder direkt an die Linie. Am Übergabepunkt wird es abgestellt, gescannt und dem entsprechenden Auftrag zugeordnet. Genauso wichtig ist der Rückweg. Leergut, Restrollen oder gesperrtes Material müssen wieder zurückgeführt werden.
Wird dieser Schritt von Anfang an mitgedacht, entsteht ein geschlossener Materialkreislauf.
Was muss gegeben sein, damit dieser Prozess zuverlässig funktioniert?
Ein AMR braucht vor allem saubere Prozesse und eine funktionierende Datenanbindung.
Die Materialsteuerung oder das MES muss wissen, welches Material wann und wo benötigt wird. Daraus entsteht ein Transportauftrag mit Quelle, Ziel, Priorität und Zeitfenster. Auch die Übergabepunkte müssen klar definiert sein. Dazu kommen Scanner- und Buchungslogik sowie Statusmeldungen. Das System muss nachvollziehen können, ob Material abgeholt, unterwegs oder bereits zugestellt wurde. Wenn diese Informationen fehlen oder nicht stimmen, hilft auch der beste Roboter wenig.
Wann lohnt sich ein AMR – und wann eher nicht?
AMRs rechnen sich vor allem dort, wo viele interne Transporte zusammenkommen: regelmäßiger Nachschub, Restmaterial, Leergut oder die Versorgung mehrerer Linien.
Bei kurzen Wegen, wenigen Varianten oder nur gelegentlichen Transporten ist der Nutzen dagegen oft zu gering. Und es gibt Fälle, in denen wir von einem AMR zunächst abraten würden. Wenn Lagerorte unklar sind, Bestandsdaten nicht stimmen, Übergabepunkte chaotisch organisiert oder Fahrwege regelmäßig blockiert sind, sollte man zuerst diese Prozesse in Ordnung bringen.
Ein AMR automatisiert den Transport. Er löst keine Probleme in der Materialorganisation.
Wie lässt sich messen, ob ein AMR tatsächlich einen Vorteil bringt?
Nicht an den gefahrenen Kilometern. Entscheidend ist, was sich an der Linie verändert.
Wartet sie seltener auf Material? Wird ein erkannter Bedarf schneller bedient? Gibt es weniger materialbedingte Unterbrechungen? Und wie stark reduzieren sich die Laufwege der Mitarbeiter?
Auch Rüstverzögerungen und die Termintreue der Materialbereitstellung lassen sich vor und nach der Einführung vergleichen. Am Ende ist die wichtigste Kennzahl die zurückgewonnene Zeit an der Linie. Denn der eigentliche Nutzen entsteht nicht dadurch, dass ein Roboter fährt, sondern dadurch, dass die Produktion weniger wartet.
Fazit: Materialfluss als Teil einer stabilen Produktion
Ein AMR kann den Materialtransport in der SMT-Fertigung deutlich vereinfachen. Voraussetzung ist aber, dass die Prozesse dahinter funktionieren.
Lager, Materialsteuerung, Vorrüstung, Linie und Rückführung müssen zusammenspielen. Erst dann wird aus einem autonomen Transport ein verlässlicher Materialfluss.
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Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der cts Group.
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