Warum eine gute Uptime noch keine produktive Linie bedeutet
Die Maschinen laufen, die Werte sehen gut aus – und trotzdem kommt am Ende der Linie weniger heraus als erwartet. Wie kann das sein?
Wir haben Josef Höving, Sales Manager Fertigungsautomatisierung bei der cts Group, gefragt, warum Maschinenverfügbarkeit und Linienverfügbarkeit nicht dasselbe sind und wo im Produktionsalltag oft unbemerkt Zeit verloren geht.
Josef, 90 % Uptime – klingt doch eigentlich ziemlich gut. Oder?
Grundsätzlich ja. Eine hohe Maschinenverfügbarkeit ist natürlich wichtig. Sie sagt aber noch nicht, wie produktiv die gesamte Linie tatsächlich arbeitet.
Wenn wir von Uptime sprechen, betrachten wir meistens nur, ob eine einzelne Maschine technisch verfügbar ist. Für das tatsächliche Linienergebnis spielen aber auch Leistung und Qualität eine Rolle.
Eine Maschine kann also verfügbar sein und trotzdem unter Takt produzieren. Oder sie wartet auf Material, Equipment oder den vorherigen Prozessschritt. Auf dem Papier sieht die Maschinenverfügbarkeit weiterhin gut aus – der gewünschte Output wird trotzdem nicht erreicht.
Deshalb sollte man nicht nur einzelne Maschinen betrachten, sondern die Linie als Gesamtsystem.
Wenn die Maschinen laufen – wo geht die Zeit dann verloren?
Sehr häufig an den Schnittstellen. Also genau dort, wo Lager, Materialbereitstellung, Vorrüstung, Transport und Produktion aufeinandertreffen.
Das kann zum Beispiel fehlendes Material sein, ein nicht rechtzeitig bereitgestellter Feeder oder Wechseltisch oder ein Rüstprozess, der nicht sauber mit der Produktion abgestimmt ist. Auch eine einzelne Engpassstation kann den Durchsatz der gesamten Linie begrenzen.
Das Schwierige daran: Viele dieser Verluste tauchen in der Kennzahl einer einzelnen Maschine gar nicht auf. Die Maschine wäre grundsätzlich bereit – die Linie kann trotzdem nicht weiterproduzieren.
Sind die großen Maschinenstopps wirklich das größte Problem?
Nicht unbedingt. Gerade die kleinen Unterbrechungen werden häufig unterschätzt.
Ein kurzer Stopp von wenigen Sekunden oder ein, zwei Minuten fällt im Produktionsalltag kaum auf. Wenn das regelmäßig passiert, summiert sich die verlorene Zeit aber sehr schnell.
40 Kurzstopps von jeweils 90 Sekunden bedeuten beispielsweise bereits eine Stunde verlorene Produktionszeit pro Schicht.
Wenn Störzeiten erst ab einer bestimmten Dauer erfasst werden, bleiben solche Mikrostillstände häufig unsichtbar. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die großen Ausfälle zu schauen.
Woran erkenne ich, dass eigentlich der Materialfluss bremst?
Die OEE ist dafür ein guter Ausgangspunkt. Sie zeigt allerdings zunächst nur, dass Leistung verloren geht – nicht automatisch, wo die Ursache liegt.
Deshalb sind zusätzliche Kennzahlen sinnvoll, die näher am Materialfluss liegen. Dazu gehören zum Beispiel die Materialwartezeit je Linie, die Vollständigkeit bereitgestellter Materialsätze, Rüstzeiten nach Ursache oder die Zeit, die für den Nachschub benötigt wird.
Auch Bestandsgenauigkeit und Fehler bei der Kommissionierung können entscheidend sein. So lässt sich erkennen, ob tatsächlich die Maschine das Problem ist oder ob der Verlust bereits bei Material, Vorrüstung oder Equipment-Bereitstellung entsteht.
Die Maschinenwerte sehen gut aus, der Output stimmt trotzdem nicht. Wo würdest du anfangen?
Ich würde zuerst die Übergänge betrachten – also nicht sofort tiefer in die einzelne Maschine gehen.
Wo wartet die Linie? Ist das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt verfügbar? Sind Feeder, Werkzeuge und Wechseltische vorbereitet? Funktionieren Vorrüstung und Nachschub? Gibt es eine Station, die regelmäßig zum Engpass wird?
Erst wenn diese Verluste sichtbar sind, kann man gezielt ansetzen. Denn am Ende geht es nicht darum, dass jede einzelne Maschine möglichst gute Werte zeigt. Entscheidend ist, dass die gesamte Linie zuverlässig produziert.
Fazit: Verfügbarkeit entsteht im Zusammenspiel
Eine produktive SMT-Linie hängt nicht allein von leistungsfähigen Maschinen ab. Material, Equipment, Vorrüstung und Transport müssen zum richtigen Zeitpunkt zusammenspielen.
Gerade an den Übergängen zwischen diesen Bereichen entscheidet sich häufig, ob aus einer guten Maschinenverfügbarkeit auch ein guter Linienoutput wird.
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Dieser Beitrag entstand gemeinsam mit unserem Partner cts Group.
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